| Hexennächte |
|
Der grelle Schein eines großen Feuers setzt sich lodernd vom dunklen, wolkenverhangenen Himmel einer kühlen Herbstnacht ab. Leise fällt sanfter Regen herab auf die Tänzerinnen. Lachen dringt zwischen den Baumkronen am Rand der Lichtung hervor, Stimmen die der Wind den Frauen von den Lippen reist. Sie bemerken weder Regen noch Wind, sind eins mit der Bewegung des Tanzes. In festliche Gewänder gekleidet wirbeln sie im Licht der Flammen über die festgestampfte Erde, huldigen der Erdriesin und tanzen für den Vielgehörnten. Dann beginnt das Lied. Ein Gesang uralter Verse, gesungen von den keuchenden und vor Anstrengung schwer atmenden Frauen. In dieser Nacht singen sie von Mächten vergangener Zeiten, von Liebe, Sinnlichkeit und Schicksal. Auf einem Thron aus geflochtenen Zweigen sitzend beobachtet die Festkönigin das Treiben am Feuer, und versinkt beim Anblick der Tanzenden in einen Rausch, der sie alles um sich herum vergessen lässt. Erst als die riesige Gestalt mit dem Widderhaupt auf die Lichtung tritt bemerken die Frauen den geliebten und gefürchteten Besucher... Regelmäßige Hexentreffen, um die sich viele dunkle Gerüchte ranken, sorgen für einen Austausch des Wissens mit anderen Schwestern. Je nach Zirkel oder Region finden diese in den Nächten vor den Tagundnachtgleichen am 30. Efferd und 30. Phex, seltener in der sogenannten Levthansnacht am 23. Efferd oder in den Sonnenwendnächten auf den 1. Praios und 1. Firun statt, üblicherweise also halbjährlich. Auf diesen Treffen, im Volksmund 'Hexennächte’ genannt, ergeben sich die Hexen dem Rausch, der aus der vereinten Macht der Anwesenden entsteht, die ihren Kräften freien Lauf lassen und zu einem Gespinst knisternder astraler Macht verbinden, die zurückfließt in Leiber und Seelen der Hexen und sie mit einem Gefühl durchdringt, das kein anderes Wesen auf Dere je erfahren wird. 'Dunkle Wonne' nennen es die Hexen, doch beschreiben können auch sie es nicht, entzieht es sich doch - so scheint es - allen Analogien. In diesem Zustand des Rausches rufen die Hexen bisweilen den widderköpfigen Halbgott Levthan an, eine machtvolle Wesenheit, deren Kraft die Hexen inbrünstig begehren und deren Erscheinung sie dennoch fürchten. Auf den Hexenfesten wird auch die legendäre Hexensalbe gebraut. Mit dieser Salbe bestrichene Gegenstände (meist der traditionelle Besen, aber auch Fässer, Mistgabeln, Korbstühle, Körbe und Kiepen, ja auch Türen und sogar Zäune sind beliebt) tragen ihre Meisterin für ein halbes Jahr sicher durch die Lüfte. Soll eine Junghexe ihre erste Hexennacht erleben, bringt die Lehrmeisterin von der vorangehenden Feier einen kleinen Tiegel der Flugsalbe mit, mit der die Tochter dann kurz vor der Abreise ihren ersten Besen salben kann. Unter anderem werden auf solchen Treffen auch aufwendige Rituale und besonders mächtige Flüche von der Gemeinschaft zusammen ausgeführt. |